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Geschichte eines normalen Mannes

von Tobias Thielemann.

Entstanden im Rahmen der Schreibwerkstatt „Jetzt“ in der Ilse Löwenstein Schule.

Begründung der Jurorin Matilda A. Kaya, YWC-Mitglied für die Auszeichnung als "Der schönste Anfang"

Bei dieser Geschichte ist mir besonders positiv aufgefallen, dass der Leser ab dem ersten Absatz direkt mitten im Geschehen ist. Die Andeutung, dass sich der Erzähler kampfbereit in einem Bunker befindet, erweckt Neugier bei den Lesern, und wenn erklärt wird, dass es zu einem nuklearen Krieg zwischen Russland und den USA gekommen ist, wird direkt ein starker Aktualitätsbezug hergestellt.


Ich saß auf meiner lausigen Matratze, hinter 5 Metern dicker Wand und 105 Meter unter Grund. Meine treue Flinte saß neben mir am Bett, mein einziger Freund in dieser trostlosen Welt. Ich erinnere mich zurück, vielleicht 4 Jahre sind vergangen, die Brettspiele, die wir spielten und die Geschichten, die wir uns erzählten. Marry, Jack, Paul und Mia. Es ist genau 9 Jahre her seit dem Untergang der Welt wie wir sie kannten. Donald Trump schoss Atomraketen auf Russland und naja, wie wir es nennen: P.T.S.W.D – Point the Shit went down.

 

„Fröhlicher verfickter Jahrestag“, murmel ich. Es geschah damals, die Lage zwischen den USA, wo ich gelebt habe, und Russland. Russland schoss Atomraketen und Amerika schoss zurück. Die Menschheit rechnete damit und baute Bunker, viele Bunker: kleine, große, private und öffentliche. Ich flüchtete in einen mittleren Bunker in der Nähe von Albuquerque mit einigen anderen. Die Türen schlossen sich mit einem *pfft* und der Bunker fuhr nach unten wie ein Fahrstuhl. Als die Raketen einschlugen, dachte ich, meine Ohren kündigen gleich.

 

4 Jahre habe ich die Außenwelt nicht mehr gesehen. Ich hatte mich adaptiert an das Leben hier, ich hatte sogar Freunde hier. Mia, Marry, Jack und Paul. Alles lief gut bis zu dem schicksalhaften Tag. Ich spielte gerade Brettspiele, als ein Alarm losging. Mit einem *Zisch* öffnete sich die Bunkertür. Wir alle setzten uns uns auf und lauschten. Wir hörten Schreie und Schüsse, viele Schüsse. In der Ferne hörte ich Alex, Familienvater und liebender Ehemann, rufen: „Piraten, sie kommen! Scheiße, sie sind da, rettet euch! Nein, nein! Bitte, ich habe Fa–“

 

Ein Schuss fällt. Ich schreie zu meinen Freunden: „Folgt mir!“ Alle folgen mir. Wir pirschen uns zur Waffenkammer – alles leer, nur 4 Gasmasken. Wir zogen sie uns über und eilten zum Ausgang. Wir schlichen wie Mäuse in der Reihe. Ich war Zweiter in der Reihe, vor mir Paul, ein breiter Typ, 24 Jahre jung.

 

*Peng*

 

Ich sah nichts mehr, doch ich hörte Mia schreien. Als lebte ich noch. Ich nahm die Gasmaske ab, auf den Gläsern war Pauls Blut verteilt. Vor mir lag er, sein Kopf war überall. 20 Meter links von uns stand ein Pirat mit einer Plasmawaffe, der Lauf rauchte noch. So sehr ich ihn mochte, spürte ich in diesem Moment nichts. Keine Angst, kein Ekel, keine Trauer, nur Hass. Jeder ist auf sich gestellt.

 

Ich sprang auf, schrie den anderen zu: „Rennt!“ In diesem Moment fingen die Piraten wieder an zu schießen. Kurz vorm Ausgang war nur noch Mia hinter mir. Ich sagte: „Gasmaske auf!“ Ich rannte los, doch ich stoppte. Mia schrie hinter mir. Ein riesiger Typ mit Hightech-Rüstung und Cape – er war bestimmt der Boss. Er sprach mit tiefer Stimme: „Ich möchte mich vorstellen, trotz dieser, naja... unangenehmen Situation. Mein Name ist Rev, ich bin der oberste Pirat.“

 

Ich spüre, wie eine Waffe an meinen Hinterkopf gedrückt wird. Rev redet weiter: „Wir beuten diese Bunker aus und töten alle, auch dich und sie.“ Ich drehe mich blitzschnell um, ziehe die Waffe weg und drückte ab. Ein Pirat fällt um. Rev schreit: „Das wirst du bereuen!“ und brachte Mia ihr Schicksal . Sie fiel zu Boden. Ich nahm die Waffe und rannte raus, Gasmaske auf. Ich rannte, bis ich kollabierte.

 

Als ich zu mir kam, blickte ich mich um. Wüste, kaputte Gebäude und Sonne nicht mehr. Ich stand auf und wanderte, bis ich ein Häuschen fand, was noch intakt war. Ich beschloss, selbst von Leuten zu. Klauen und dieses Häuschen zu einem Bunker zu machen. Für meinen Plan klaute und baute ich 4 Jahre lang. Jetzt sind wir auf neuestem Stand.

 

Ich murmelte: „Fröhlicher verfickter Jahrestag“ und trank aus meinem Flachmann. Ich erinnere mich an einen Priester, den ich auf einem meiner Raubzüge getroffen habe. Er war durch die Strahlung nicht mehr ganz lichte. Er trug einen ranzigen Mantel mit dem Kreis der reformierten Sekte. Er sprach in tiefer Stimme mit Kratzen und Beben: „Jüngling! Frage dich: Ist Jetzt Jetzt, oder ist dein Jetzt in der Vergangenheit?“

 

Ich ließ ihn dort, um seinem Schicksal zuvorzukommen. Doch wenn ich so darüber nachdenke, hat er recht. Ist mein Jetzt wirklich Jetzt? „Nein!“ Ich schüttelte meinen ganzen Körper so heftig, dass der Alkohol auf meine eh schon dreckigen Klamotten tropft. Nein, mein Jetzt ist damals. Damals in der blauen Welt. Wolken so weiß, dass es blendet, Kinder lachen und Bienen tanzen um die Wiese und Blumen. Ich wollte nicht akzeptieren, dass das Jetzt, in dem ich lebe, Wüste ist, ruinierte Häuser und Autos, Strahlung und viele Gefahren.

 

„Nein!“ So kann ich nicht leben. Ich beschloss, den Priester zu suchen. Letztes Mal stand er in der alten Stanford-Kirche. Gasmaske auf, Flinte auf den Rücken. Der Rucksack ist ein alter Sack, aber er tut seinen Job. Ich schwang mich auf ein altes Motocross, was ich auf einem Schrottplatz fand, und fuhr los. Mit einem Quietschen kam das Gefährt zum Stehen. Ich trat ein. „Priester!“ Ich hörte Dosen klappern und dann stand er da.

 

„Ja, Jüngling.“

„Ich habe eine Frage“, er nickte nur, „können Sie mir helfen, die Wahrheit über mein Jetzt zu finden?“

„Junge, ich konnte dich nur auf den Pfad bringen, aber den Ausgang musst du finden. Junge, du bist der Herr deiner Geschichte.“

 

Der Alte und immer seine Geschichten... der hat echt nicht alle Schäfchen im Stall. „Wie bitte?“ Doch es ist, als hätte ihn der Blitz getroffen: „Junge, sind Kartoffeln mehr wert als Worte?“ Er rannte im Kreis wie ein Kind mit ADHS. Ich wurde wütend und stürmte aus der Kirche, sprang auf das Motocross und fuhr nach Hause. Ich grübelte die ganze Zeit darüber nach, was der Priester gesagt hat.

 

Ich kam zu Hause an, schmiss mich auf mein Bett, drehte den Flachmann auf und trank einen großzügigen Schluck. Vielleicht meint der Priester, dass sich die Außenwelt nie richtig auf mein Jetzt ausgewirkt hat, sondern nur ich habe mich verändert und damit die Wahrnehmung auf mein Jetzt. Ich trank noch einen Schluck. In meinem früheren Leben arbeitete ich als Erzieher. Ich werde nicht weitermachen so, so akzeptiere ich mein Jetzt nicht.

 

Ich sprang auf, ich war energisch, ich packte alles, was ich brauchte. Ich liebte meinen Job als Erzieher deshalb so sehr, weil ich Menschen und vor allem Kindern helfen konnte. Ich kann mein Jetzt nur akzeptieren, wenn ich tue, was ich liebe: Leuten helfen, auch wenn es mich meine Physis kostet.

 

Ich zog meine letzten frischen Klamotten an, nahm mit, was ich brauchte, richtete einen Benzinkanister her und ging zu meinem Motocross. Ich schoss auf die Benzinspur und mein Heim explodierte. Es brannte lichterloh. Ich sprang auf das Bike und fuhr einfach in Richtung Horizont. Eine Reise, von der ich nicht zurückkehren werde, aber das Jetzt akzeptiere ich jetzt.

 

Wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch heute.

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